Automation Blue

Was Hygiene mit Wasserzählern zu tun hat

In Deutschland werden jährlich mehr als vier Millionen Wasserzähler ausgetauscht. Bereits 2010 wurden bei Verbundzählern vereinzelt Kontaminationen mit Pseudomonas aeruginosa festgestellt. Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa ist ein weitverbreiteter Boden- und Wasserkeim, der in feuchten Milieus vorkommt. Deshalb hat Kamstrup Ende 2013 die Verpackung der Haushaltswasserzähler MULTICAL® 21 von Karton auf Blister umgestellt.

Seit September 2014 ist die Relevanz des Themas „Hygiene und Wasserzähler“ ungebrochen und es wurden zahlreiche kontaminierte Flügelrad- (Einstrahl- oder Mehrstrahl) und Ringkolbenzähler ausgetauscht. Auslöser war eine Routineuntersuchung in einer Kindertagesstätte, in der Pseudomonas aeruginosa im Trinkwasser nachgewiesen wurde. Nachdem das Problem nicht in den Griff zu bekommen war, kam der in der Trinkwasserinstallation eingebaute Wasserzähler in den Fokus. Mit dem Auffinden des Ursachenherdes wurden bundesweit Untersuchungen von Wasserzählern durchgeführt und es fanden sich weitere Positivnachweise. Laut dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) wird vermutet, dass bei der Produktion und/oder Prüfung bzw. Eichung der Wasserzähler die Kontamination über das Prüfwasser erfolgt ist. Die Wasserversorger wurden informiert und teilweise von Gesundheitsämtern auf-gefordert, Hygienezertifikate vom Hersteller anzufordern und durch entsprechende Lagerbedingungen sowie Untersuchungen sicherzustellen, sodass keine kontaminierten Wasserzähler eingebaut werden.

Aus Ergebnissen des DVGW-Forschungsvorhabens W 6-02-09 „Pseudomonas aeruginosa in Trinkwassersystemen – Wachstumsansprüche und nachhaltige Gegenmaßnahmen“ folgert der DVGW, dass insbesondere fabrikneue Oberflächen von Pseudomonas aeruginosa bevorzugt besiedelt werden, da es extrazelluläre Polysaccharide und dadurch Biofilme bilden kann. Die Ansiedelung von Pseudomonas aeruginosa wird in Wasserversorgungssystemen, die bereits in Betrieb sind und einen natürlichen Biofilm aufweisen, durch Nahrungskonkurrenz erschwert. (Quelle: DVGW – Mikrobielle Belastung von Wasserzählern, DI Jörn-Helge Möller, DVGW-Landesgruppe Bayern)

Welche Auswirkungen hat Pseudomonas aeruginosa auf den Körper?

Für gesunde Menschen ist Pseudomonas aeruginosa meist unbedenklich, anders sieht es jedoch bei Säuglingen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem aus. Hier kann es zu Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Wundinfektionen, Blutvergiftungen, Nierenbeckenentzündungen etc. führen. Insbesondere bei Personen mit Mukoviszidose (cystischer Fibrose) kann der Erreger Komplikationen verursachen und eine chronische Infektion der Atemwege nach sich ziehen.

Gefahrenquelle Verbundwasserzähler

In einem Forschungsprojekt des DVGW-Technologiezentrums Wasser TZW in Zusammenarbeit mit der Zählerprüfstelle und der Qualitätssicherung der Stadtwerke Karlsruhe hat sich herausgestellt, dass vor allem Verbundwasserzähler schwierig auf Keime zu untersuchen sind. Es wurde geprüft, ob es sich bei kontaminierten Wasserzählern um Einzelfälle handelt oder ob diese systematisch vorkommen. Dabei stellte man fest, dass vor allem Großwasserzähler und Verbundwasserzähler in Sachen Trinkwasserhygiene eine Herausforderung darstellen. Diese können nicht routinemäßig untersucht werden, sondern müssen in einer Spezialeinrichtung durchströmt oder geschüttelt werden. Das ist mit großem Aufwand verbunden, da beide Wasserzähler einzeln betrieben werden müssen. Die parallel geschalteten Zähler stellen teilweise einen nicht durchströmten Totraum dar. Mittelfristig wird ein Wechsel auf statische Wasserzähler empfohlen. Kamstrup A/S, Hersteller für intelligente Energie- und Wassermesslösungen, führt Ultraschallwasserzähler bis DN 100, Q3=100 m3/h. Der Vorteil dabei ist, dass diese über keine beweglichen Teile und somit keine Totzonen verfügen. Voraussetzung, um auch hier nicht mit Pseudomonas aeruginosa in Berührung zu kommen, sind hygienisch einwandfreie Prüfstände.

Beispiel eines Herstellers im Umgang mit Hygiene

Die Experten von Kamstrup haben sich bereits vor Jahren eingehend mit dem Thema, wie einem Bakterienbefall von Wasserzählern vorgebeugt werden kann, beschäftigt. Eine entsprechende Verpackung sowie vorbeugende Maßnahmen am Prüfstand stellen dafür die Rahmenbedingungen dar. Vor dem Befall von Bakterien ist niemand sicher, aber es gibt Maßnahmen, um das Risiko eines Bakterienbefalls zu minimieren. Im Vorfeld gilt es ein paar bestimmte Punkte zu beachten, damit die Produkte das Werk geschützt verlassen. So hat der dänische Konzern Ende 2013 die Verpackung der Haushaltswasserzähler MULTICAL® 21 von Karton auf Blister umgestellt. Diese ist luftdicht und stellt sicher, dass die Wasserzähler vor ihrer Anwendung keinen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, sei es beim Transport oder auch bei der Lagerung. Damit entspricht Kamstrup in Sachen Verpackung, Lagerung und Transport den „Hygieneanforderungen an Prüfstände und Prüfwasser zur Prüfung von Wasserzählern zur Sicherstellung der mikrobiellen Unbedenklichkeit“, herausgegeben vom DVGW am 2. April 2015. Die Wasserzähler aus rostfreiem Stahl oder Messing sind mit luftdichten Aufklebern versiegelt. Damit wird sichergestellt, dass die Wasserzähler vor ihrer Anwendung keinen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind. Alle Wasserzähler werden für den Transport in Kartons gepackt.

Bevor es um das Thema Verpackung geht, werden die Wasserzähler im Werk in Dänemark nach der europäischen Messgeräterichtlinie (MID), Modul B + D produziert und konformitiert (ehem. Ersteichung). Ausnahmslos jeder Wasserzähler wird über den Prüfstand auf Einhaltung der Eichfehlergrenzen geprüft. Das Wasser des Prüfstands wird mit Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit desinfiziert. Die Zudosierung wird elektronisch gesteuert und das Prüfwasser regelmäßig ausgetauscht. Externe akkreditierte Laboratorien nehmen zwei-wöchentlich Wasserzähler-Stichproben und wöchentlich eine Analyse des Wassers der Prüfbänke vor. Die Prüfberichte stellt der Hersteller auf seiner Webseite öffentlich zur Verfügung. „Mit diesen mikrobiologischen Analysen stellen wir sicher, dass die Wasserzähler keine krankheitserregenden Bakterien aufweisen. Alle Schritte haben wir auch in einem Hygienekonzept zusammengefasst“, erklärt Dr. Astrid R. B. Søe, Expertin bei Kamstrup in Sachen Hygiene für Wasserzähler und Produktmanagerin. Die Kunden sind davon überzeugt, dass Kamstrup eine grundlegende Basis schafft, um Keimen vorzubeugen. „Verkeimungen waren für uns kein Problem, da wir bereits seit 2012 die optimal verpackten und desinfizierten Ultraschall-Zähler in Verwendung hatten, die Keimen keinen Nährboden geboten haben. Alle in den sogenannten öffentlichen Hausinstallationen durchgeführten mikrobiologischen Analyseergebnisse bescheinigten unserem Unternehmen eine keimfreie Trinkwasserqualität“, so Betriebsleiter Stephan Hahn, Wasserwerk „Zweckverband Florenberg“.

Für Heiko Schuhmann, Kämmerer Markt Burkardroth, waren die intelligenten und hygienisch einwandfreien Zähler Mitentscheidungsgrundlage: „Grenzwertänderungen im Bereich der Wasserzähler sowie verschärfte Hygieneanforderungen waren zusätzliche Argumente für den Umstieg auf Kamstrup-Wasserzähler.“

Weitere Artikel zu:
Verwandte Themen
Modulare Stellantriebe sparen Platz und Kosten weiter
Hygienische Gehäuseoption für Messumformer, Durchflussmessgeräte und Sensoren weiter
Leckageüberwachung mit Durchflusssensoren von SIKA weiter
Datenlogger zur Überwachung der Wasserqualität weiter
Router mit neuer Security-Funktionalität weiter
Smart Meter Gateway (SMGW) in intelligenten Messsystemen weiter

Relevante Publikationen für Sie: