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Mithilfe des AQUAPHON® A 200 kann schließlich der 90°-Winkel der Leitung exakt geortet und für den Aushub markiert werden.

Orten von nicht-metallischen Wasserleitungen

Mit einer Kombination der Systeme AQUAPHON® und COMBIPHON® der Hermann Sewerin GmbH lassen sich Wasserhausanschluss- und Wasserhauptleitungen professionell orten.

Bei allen Arbeiten im Rohrnetz besteht grundsätzlich vor Aufnahme der Arbeiten die Erkundigungspflicht für den ausführenden Tief- und Rohrleitungsbauer. Gelegentlich ist jedoch die Leitungslage nicht dokumentiert oder weicht vom Planwerk ab. Die Leitung befindet sich in solchen Fällen nicht an der angegebenen Position und muss geortet werden. Bei metallisch leitfähigen Rohrleitungen kommen bekannte, elektromagnetische Ortungsverfahren zum Einsatz. Im städtischen Versorgungsnetz sind allerdings häufig nichtmetallische Rohre verlegt. Diese zu lokalisieren, stellt besondere Anforderungen an Methoden und Gerätetechnik. Bewährt hat sich eine Kombination der Systeme AQUAPHON® und COMBIPHON® der Hermann Sewerin GmbH.

Kunststoffrohre akustisch orten

Kunststoffrohre lassen sich mit dem klassischen elektromagnetischen Verfahren nicht lokalisieren, weil sie elektrisch nicht leitfähig sind. Ist etwa bei einem Neubaugebiet oder einer Sanierung eine PE-Versorgungsleitung nicht an der gekennzeichneten Position aufzufinden, empfiehlt sich das Verfahren der akustischen Rohrortung. Hierfür werden auf ein in der Nähe vorhandenes Versorgungsrohr (zum Beispiel einen Hausanschluss) geeignete Schwingungen aufgebracht, welche sich entlang des Rohres und über das Erdreich an die Erdoberfläche übertragen. Dort lassen sich die Schwingungen mit einem Bodenmikrofon und einem dazugehörigen Empfänger mit Kopfhörern nach dem bekannten Prinzip der elektroakustischen Leckortung wahrnehmen.

Wie bei der akustischen Ortung von Wasserleckagen befindet sich die Rohrleitung dort, wo die größte Intensität festgestellt wird. Die Methode eignet sich grundsätzlich auch zum Lokalisieren von Faserzementleitungen und metallischen Rohren. Bewährt haben sich hier das System AQUAPHON® in Kombination mit dem System COMBIPHON® der Hermann Sewerin GmbH. Modular ausgelegt, besteht das System AQUAPHON® aus dem zentralen Empfangsgerät AQUAPHON® A 200 und verschiedenen Komponenten, wie dem Funkkopfhörer F8, dem Tragestab TS 200, dem Tastmikrofon TM 200, dem Bodenmikrofon BM 200 (für befestigte Oberflächen wie Beton, Asphalt oder Pflaster), dem Bodenmikrofon BM 230 mit Dreifuß (für unbefestigte Oberflächen wie Schotter, Kies, Erde) und dem Universalmikrofon UM 200.

Es ist mit dem System COMBIPHON® kompatibel, das sich unter anderem aus dem Systemkoffer mit der zentralen Steuereinheit Generator G5 inklusive Akku sowie unterschiedlichen Schwingungsgebern wie Klopfer und Stopper zusammensetzt.

Ein Fallbeispiel

In einem Neubaugebiet eines kleinen Ortes soll ein weiterer Rohbau an die bestehende Wasserversorgung angeschlossen werden. Um den Hausanschluss zu verlegen, hat der Tiefbauer rechtzeitig das Planwerk zum Baugebiet beschafft, doch das eingezeichnete PE-Rohr ist nach der fachgerechten Ausschachtung nicht an der angegebenen Position ausfindig zu machen. Die Oberfläche rund um den Schacht gibt keine Anhaltspunkte für einen möglichen Leitungsverlauf.

Der verständigte Baustellenleiter entscheidet sich für eine akustische Ortung – diese wird mit dem System COMBIPHON® und einem AQUAPHON® A 200 von SEWERIN durchgeführt. Der beauftragte SEWERIN-Mitarbeiter erhält die Erlaubnis, bei einem benachbarten Neubau ein Signal auf die Hausanschlussleitung zu geben. Dazu spannt er den COMBIPHON® Klopfer mit einer Kette (geeignet für Durchmesser bis max. 120 mm) um die Leitung und versorgt ihn per Kabel über den COMBIPHON® Generator G5 mit Strom. Die Intensität und die Frequenz (Intervalle) des Klopfimpulses werden über den Generator G5 gesteuert, so dass ein möglichst eindeutiges Signal auf der Leitung entsteht, das später gut zu identifizieren ist. Mit der Fernbedienung schaltet er den COMBIPHON® Generator G5 ab und geht nach draußen. Hier startet er den AQUAPHON® A 200.

Das eingezeichnete PE-Rohr ist nach der fachgerechten Ausschachtung nicht an der angegebenen Position ausfindig zu machen.

Intuitive Menüführung nach Anwendungsfällen

Eine Besonderheit und Alleinstellungsmerkmal unter den aktuell verfügbaren Systemen zur elektroakustischen Leitungsortung ist die einfache, intuitive Menüführung des AQUAPHON® A 200. Diese erleichtert dem Anwender das Vorgehen enorm: Das Touchdisplay bietet direkt nach Inbetriebnahme eine an Anwendungsfällen orientierte Bedienführung, die über entsprechende Symbole Schritt für Schritt sicher durch das Menü führt. Die erste Entscheidung ist die Wahl zwischen „Leckortung“ oder „Leitungsortung“. Dabei wird je nach Anwendungsfall das leiseste oder aber das lauteste Geräusch im Extremwert angezeigt (MIN./MAX.). Während das Gerät bei einer Leckagesuche unter Ausblendung aller Störgeräusche die Minimum-Methode anwendet (d.h. der kleinste Messwert wird angezeigt), kommt bei der Leitungsortung die Maximum-Methode zum Einsatz (der höchste Messwert wird angezeigt).

Im Fallbeispiel tippt der Anwender auf das Symbol „Leitungsortung“. Im nächsten Schritt steht die Festlegung der vorhandenen Bodenbeschaffenheit bzw. Oberfläche aus. Der Nutzer wählt aufgrund des Sandbodens das Symbol „unbefestigte Oberfläche“. Der Anwendungsassistent bietet darauf eine konkrete Handlungsanweisung, in welcher Reihenfolge die Systemkomponenten für diesen Anwendungsfall zu installieren sind: zuerst den Funkkopfhörer F8 einschalten, den Tragestab TS 200 mit dem Bodenmikrofon/Dreifuß BM 230 verbinden und einschalten. Jede Ausführung wird mit einem optischen Signal bestätigt und der AQUAPHON® A 200 wechselt automatisch zur Messfensteransicht. Dies ist der Zeitpunkt, um auf Empfang zu gehen.

Der Nutzer startet mit der Fernbedienung den im Nachbarhaus aufgestellten COMBIPHON® Generator G5. Am Hauseingang oberhalb der Anschlussleitung stellt er das installierte Bodenmikrofon am Tragestab auf die Oberfläche. Über den Kopfhörer identifiziert er eindeutig das Signal, das vom Klopfer über den Rohrmantel entlang der Leitung und das Erdreich weitergeleitet wird. Zunächst wird der Frequenzbereich der gesamten Situation über Kopfhörer wahrgenommen. Das ist für die akustische Ortung nachteilig, da das gesuchte Geräusch zu undeutlich ist.

Professionelles Arbeiten mit Filtern

Der Empfänger AQUAPHON® A 200 analysiert die Frequenzen der Geräusche und stellt diese in einer Frequenzanalyse im Menüfenster „Filter“ grafisch da. Die Filtereinstellungen – ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal des AQUAPHON® A 200 – erlauben verschiedene Optionen: das Scannen der akustischen Ortungssituation mit einem Vorschlag einer geeigneten Filterung, das Verschieben von Filtergrenzen, sowie das Skalieren von Darstellungen und das Zurücksetzen von Filtereinstellungen. Der Frequenzbereich lässt sich wahlweise manuell oder automatisch einstellen.

Um die Klangqualität zu verbessern, wählt der Anwender im aktuellen Fall die Funktion „Scannen“. Damit optimiert das Gerät die Filtergrenzen automatisch: das Klopfgeräusch wird jetzt besser gefiltert und eindeutiger wiedergegeben. Der Nutzer setzt nun mehrfach das Mikrofon quer zum Verlauf der unterirdischen Anschlussleitung auf den Boden und erhält unterschiedlich laute Klopfgeräusche, die ihm auf dem Display des Empfangsgeräts numerisch und in einer Glockenkurve angezeigt sowie gespeichert werden. Bei jeder neuen Messung sucht der AQUAPHON® A 200 das neue Maximum und verifiziert so beim lautesten bzw. eindeutigsten Signal die tatsächliche Position der Leitung. Der Anwender stellt anhand der angezeigten Glockenkurve und identischer Signalstärken fest, dass die Leitung eindeutig linear verläuft. Irgendwann jedoch werden die Signale wieder schwächer, während sie auf der georteten Trasse gleich bleiben – dies ist ein klares Indiz dafür, dass die Leitung abzweigt oder einen bogenförmigen Verlauf nimmt. Mithilfe des AQUAPHON® A 200 kann schließlich der 90°-Winkel der Leitung exakt geortet und für den Aushub markiert werden.

Die Kombination der Systeme AQUAPHON® und COMBIPHON® ist somit sehr gut geeignet, um schwierigere Verläufe von Kunststoffrohren wie Abzweigungen, Bögen oder Winkel sicher und schnell zu lokalisieren.

Beim Stopper ist nicht mehr die Rohrwand der Schallüberträger, sondern der Impuls wird direkt auf die Wassersäule gesetzt.

Leitungsortung bei großen Entfernungen

Es gibt Situationen, in denen der durch den Klopfer generierte Schall nicht mehr eindeutig identifizierbar und die Intensität des Klopfers nicht mehr zu steigern ist. Die Energie reicht nicht mehr aus, um lokalisierbare Schwingungen zu erzeugen (zum Beispiel bei einer Wasserhauptleitung). In diesem Fall ist der Stopper, eine separate Systemkomponente des COMBIPHON®, die richtige Lösung. Beim Stopper ist nicht mehr die Rohrwand der Schallüberträger, sondern der Impuls wird direkt auf die Wassersäule gesetzt. Dazu wird ein Standrohr mithilfe einer Kupplung auf einen Hydranten der zu ortenden Leitung montiert. Stromversorgung und Frequenzsteuerung erfolgen wieder über den COMBIPHON® Generator G5. Die Intensität des Impulses wird dagegen mit einer Stellschraube am Stopper direkt eingestellt, max. bis 200 mbar. Vor der Montage und Inbetriebnahme des Stoppers wird jedoch der Hydrant gespült, um eine Beschädigung der Mechanik des Stoppers durch Partikel oder Ablagerungen auszuschließen.

Die Erzeugung von Schwingungen durch den Stopper geschieht an einem Hydranten mittels Wasserentnahme, welche die Wassersäule in Bewegung bringt. Der Stopper funktioniert dabei wie ein Absperrventil, das die Wassersäule intervallartig bremst. Durch Öffnen und Schließen der Leitung verändert der Stopper die Durchflussmenge bzw. das Strömungsverhältnis. Die (veränderten) Fließgeräusche übertragen sich eindeutig identifizierbar entlang der Wassersäule. Auf diese Weise lassen sich Leitungen in noch deutlich größeren Entfernungen mit dem zuverlässigen AQUAPHON® A 200 orten. Auch bei der Nutzung des Stoppers ermöglichen entsprechend eingesetzte Filtereinstellungen sowie anwendungsspezifische Mikrofontechnik, Kunststoffrohre professionell zu orten. Fazit Die Vorteile sprechen für sich: automatisches Filtern, intuitive Step-by-Step-Menüführung nach Anwendungsfällen, auf Bodenoberflächen spezialisierte hochwertige Mikrofontechnik, kabellose bidirektionale und somit entstörte SDR (SEWERIN Digital Radio)-Funkkommunikation, eine praxistaugliche Auslegung der Generatorbetriebszeit (G5) sowie unterschiedliche, komfortabel bedienbare Schwingungsgeber … Die Kombination von AQUAPHON® A 200 und COMBIPHON® zählt aktuell zu den besten Ortungssystemen am Markt. Die Hermann Sewerin GmbH ist mit ihren Spitzenprodukten Technologieführer. Modular ausgelegte High-End-Geräte wie der AQUAPHON® A 200 stellen die jahrzehntelange Entwicklungskompetenz und das hohe Innovations-Know-how von SEWERIN eindrucksvoll unter Beweis.

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